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Ablauf der SEG-Großübung geleitet von Florian Drechsler

Samstag, 24.04.2010

Copyright NUOLI12 e.V.Seit ca. 12.15 Uhr laufen unsere Vorwärmungen für die zwei 1200PS-Motoren.13.45 Uhr die erste Maschine startet. Unsere Gäste an Bord schauen etwas verunsichert, die Schaulustigen an Land gehen einen Schritt zurück. Nach ein paar Minuten startet auch Maschine 2 mit einem Donnern durch. Die ersten Gäste verlassen den achterlichen Bereich des Schiffes und wechseln auf das Vordeck. Dieses Mal haben die meisten Schaulustigen Ihre Plätze nicht verlassen und mit viel Neugierde, großen Augen und Fingerzeigen begleiten sie die Warmlaufphase.

Es ist soweit: 14.15 Uhr Leinen los und ablegen.
Mit langsamer Fahrt geht es durch den Hafen Richtung Neustädter-Bucht, vorbei an vielen Menschen an der Pier, deren Blicke unsere Fahrt neugierig begleiten.

14.25 Uhr erreichen wir das betonnte Fahrwasser, Kapitän HaJo zischt dem 1.O mit Augenzwinkern zu, dass außerhalb des Fahrwassers KVR (Kollisionsverhütungsregeln)  und innerhalb der Betonnung die SeeSchStrO (Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung) gilt... weiss der 1.O natürlich.

Gegen 14.37 Uhr erreichen wir unseren "Dümpelplatz". Der Wind treibt uns langsam wieder in Richtung Fahrwasser zur Ansteuerungstonne Neustadt und dann endlich... wir nehmen Fahrt zum Einsatzort auf.

Um 15.11 Uhr löst Florian den 1. Alarm bei der Küstenwache aus (die brauchen etwas Vorlauf, da sie etwas weiter weg liegen)

Unsere Havarie mit der Motoryacht:

Eine viel zu schnelle Motoryacht kam aus Richtung Stadtbrücke auf uns zu und kollidierte mit geschätzten 20 Knoten frontal an unserer Backbordseite. Die Yacht brach sofort auf, machte viel Wasser und sank sehr schnell. Durch die starke Erschütterung versagten unsere Motoren und wir konnten treibend an der Kaimauer festmachen. Von unseren 35 Personen an Bord (10 Mann Besatzung, Rest Gäste des Vereins) sind mehr als 10 Personen nach erster Sichtung der Lage verletzt - einige schwer. Wir haben keine Möglichkeit die Schiffbrüchigen zu bergen...

So oder so ähnlich sollte der Notruf aussehen, bzw. auf Nachfragen geantwortet werden.

Um 15.24 Uhr soll dann unser Kapitän HaJo den Notruf auf Englisch absetzen.
Die Einsatzleitstelle ist über den englischen Notruf mehr als überrascht und es kommt die leise Frage „Können wir vielleicht auf Deutsch weitersprechen?“ (Er ist der einzige der Leitstelle, der eingeweiht ist). HaJo bleibt hart und schildert weiter die Havarie in englischer Sprache. Letztendlich wird alles verstanden und die Uhr tickt...

Sehr schnell sind der erste Krankenwagen und ein Notarzt vor Ort. Der Notarzt sichtete kurz die Lage und kategorisiert die Verletzten nach der Schwere ihrer Verletzung ein.

Jetzt geht die Party richtig los... Einsatzwagen vom Roten Kreuz, weitere Notärzte, die Feuerwehr und ein Hubschrauber beleben den Einsatzort. Ca. 170 Personen und eine unüberschaubare Menge an Einsatzfahrzeugen sind beteiligt... und wir mittendrin!

Copyright NUOLI12 e.V.Verletzte werden separiert, die leicht Verletzten mit der Kategorie "grün", die noch eigenständig laufen können, werden von Bord an eine Sammelstelle an Land gewiesen und bei den Verletzten der Kategorie gelb und rot läuft die Versorgungen an. Der 1.O wird vom Notarzt als Verbindungsoffizier ernannt, da ja der Kapitän nur englisch spricht. Der 1.O wird vom LNA (Leitender Notarzt) angewiesen sofort nach Schiffbrüchigen der gesunkenen Motoryacht Ausschau zu halten und die eigene Schiffsicherheit überprüfen zu lassen.

Meldung des 1.O: Eigenes Schiff gesichert und in etwas weiterer Entfernung treiben zwei Personen im Wasser.

Copyright NUOLI12 e.V.Mit dem lauten und langen Signal eines Schiffshorns kündigt sich die Küstenwache mit Ihrem ca. 55m langen Schiff in der Hafeneinfahrt an. Noch in Fahrt wird das schnelle Beiboot zu Wasser gelassen und Copyright NUOLI12 e.V.schiesst in Richtung Schiffbrüchige durch den Hafen. Nun läuft ein häufig geübtes Manöver ab. Das Beiboot fährt nach Drosselung der Geschwin-digkeit mit langsamer Fahrt an die Schiffbrüchigen heran und nimmt die Personen in Lee (windabgewandte Seite) auf. Diese Rettungsaktion der zwei Schiffbrüchigen dauert kaum mehr als 3 Minuten. Perfekte Aktion und Lob an die Küstenwache.

Copyright NUOLI12 e.V.Copyright NUOLI12 e.V.Jetzt wird auch unser Sebastian versorgt. Er hat die Kategorie gelb bekommen und wird von netten Sanitäterinnen versorgt, welches sich in seinem Gesicht wider-spiegelt.

Moment… er sollte doch Schmerzen haben!

Nun denn, mittlerweile haben natürlich die meisten Sanitäter auch mitbekommen, dass es sich hier um eine groß angelegte Übung handelt und alle nehmen die Situation etwas leichter.

Ein großes Lob von uns: Auch hier leidet weder die Ernsthaftigkeit noch die Professionalität. Alle erledigen Ihre Aufgaben mit höchster Genauigkeit und Engagement. Weiter so, denn auch wir könnten ja in Zukunft in eine Notlage geraten.

Copyright NUOLI12 e.V.Nachdem die Notärzte alles unter Kontrolle und die Verletzten ihre Erstversorgung bekommen haben, beginnt der Transport von Bord. Auch Sebastian wird von seinen Sanitäterinnen von Bord getragen. Einen kurzen, panischen Blick von Sebastian, als es die steile Gangway hinauf geht. Alles OK, im letzten Moment reicht dann doch ein Sanitäter seine helfende Hand. An Land schnell auf die Transporttrage gelegt, in den Krankenwagen geschoben und ab ins Krankenhaus.

Eigentlich haben ja alle inzwischen mitbekommen, dass es sich um eine SEG-Großübung handelt, nur… ja nur nicht die Intensivstation im Klinikum Neustadt.

Als die behandelnden Ärzte und deren Schwestern anfangen, die eigenen Notfälle (von denen einige beatmet werden) umzulegen, löst dann ein Notarzt die Situation auf. Daran sieht man aber, dass Florian bis zum Schluss alles verdeckt halten konnte und nur ganz wenig Menschen informiert waren, die dann auch noch alle „dicht“ gehalten haben.

Auch hier leidet weder Ernsthaftigkeit noch Professionalität unter der Auflösung. Sebastian berichtet später, dass er jede erdenkliche Versorgung vom EGK bis hin zum MRT bekommen hat (aus Kostengründen wurde allerdings das MRT nur simuliert).

Später beim Umziehen an Bord stellt er dann fest, dass die Klebekontakte vom EKG noch an seinem Körper kleben… na ja Sebastian, mach` Dir nichts draus, bei den vielen netten Sanitäterinnen wären wir alle wohl etwas durch den Wind…

Copyright NUOLI12 e.V.Zum Schluss wird dann noch die Leiche geborgen. Hier hat sich Florian etwas Nettes ausgedacht. Ein Klavierband aus Messing wurde mittig um den Körper geformt und fixiert, so dass es aussieht, als ob das Opfer durchbohrt wäre. T-Shirt drüber, an den entsprechenden Stellen kleine Schlitze ins Shirt, etwas Kunstblut und dann…

… rohes Gulaschfleisch – natürlich frisch! Soll ja alles schön echt aussehen!

Wie auch im Realfall werden solche Bergungen vor den Augen der Öffentlichkeit geschützt, im beiderseitigen Interesse. Natürlich auch bei uns an Bord. Vorbildlich zieht die Feuerwehr einen Sichtschutz mit Wolldecken hoch und bedeckt das Opfer nach der Bergung.

Langsam kommen alle zur Ruhe und hoffen auf den Feierabend, es sollte aber noch eine Kleinigkeit kommen…

Geplant war:

Copyright NUOLI12 e.V.Maschinist Rainer und Kapitän HaJo gehen in den Maschinenraum, um eventuelle Schäden an der Maschine aufzunehmen. Nach kurzer Zeit im Maschinenraum bekommt HaJo Kopfschmerzen, Ihm wird schlecht und er ist verwirrt (Einen Kommentar an dieser Stelle lasse ich lieber). Rainer läuft an Deck und informiert den LNA. Wenn alles gut gehen würde, erkennt der LNA eine mögliche CO oder CO2 Vergiftung und schickt die Feuerwehr mit Vollatemschutz zur Bergung hinunter.

Soweit soll es aber nicht kommen…

Copyright NUOLI12 e.V.Die Szene beginnt schon an Deck und dem LNA fällt auf, dass der Kapitän die Hand vor den Mund hält. Sofort wird er mit Nachdruck von Bord über die Gangway an Land geschoben. Der Kapitän erbricht sich genau vor die Füße des LNA und zweier Copyright NUOLI12 e.V.Sanitäter. Es setzt die Verwirrung ein und er will mit Gewalt wieder an Bord. Nachdem mittlerweile 4 Sanitäter Kapitän HaJo festhalten müssen, schaltet sich auch die Küsten- wache mit zwei Beamten ein und HaJo ergibt sich seinem Schicksal und läßt sich ins Sanitätszelt bringen.

Noch ein Wort zu dem schauspielerischen Talent von unserem Kapitän HaJo: Ich kann nur sagen, eine Kreuzung von einem wilden Stier mit einem Elch in Brunftzeit ist nichts gegen HaJo!

Dieses Röhren -beim Erbrechen- laßt alle Personen am Einsatzort inne halten und den Blick in Richtung HaJo richten. Mit dieser Aktion ist dann auch der Einsatz beendet und alle Beteiligten räumen auf und verlassen den Schauplatz.

Für die Einsatzkräfte gibt es dann bei der Rettungswache nahe dem Klinikum eine wirklich tolle Erbsensuppe. Die ist wie bei Muttern; ein Nachschlag wird natürlich eingefordert!

Die dann folgende Nachbesprechung der SEG-Großübung wurde von Florian geleitet.

Copyright NUOLI12 e.V. 

 

Für uns stellte sich dann heraus, dass unter den Schaulustigen und Komparsen mehrere Beobachter waren, die den Einsatz genau beobachteten. Diese sind uns gar nicht, oder nur am Rande aufgefallen... war also auch sehr gut gelungen.

Wie bei jeder Übung gab es natürlich auch Manöverkritik. Die Rettungskräfte nahmen es sachlich hin, gaben ihrerseits aber auch Kritik zurück.

Bei einer solchen Übung wollen schließlich alle lernen und viel wichtiger, so real wie möglich üben.

Den größten Applaus erntete Florian Drechsler, der diese Aktion seit Monaten in seiner Freizeit vorbereitet hat. Eine sehr große Leistung, welche von allen Beteiligten entsprechend gewürdigt wurde. Auch wir und unsere NUOLI 12 wurden mit einem Applaus bedacht.

Solche oder auch ähnlich gelagerte Szenarien zu üben, ist sehr schwer, weil sie auch sehr teuer sind. Wir von der NUOLI 12 haben unser Möglichstes zu dieser Aktion beigetragen.

Eines darf dabei nicht vergessen werden:

Über 80% der an diesem Einsatz beteiligten Rettungskräfte sind ehrenamtlich tätig. Sie opfern alle Ihre Freizeit, um uns und Ihnen, lieber Leser, in solchen Notfällen zu helfen. Dabei geht es natürlich nicht nur um Unfälle auf See, auch Busunglücke, Massenkarambolagen im Nebel auf der Autobahn, Zugunglücke und Flugzeugabstürze. Bei mehr als 5 Verletzten geht die Meldung auch an die SEG.

Wir von der NUOLI 12 sagen: DANKE Jungs und Mädels für Euren Einsatz!

P.S.
Vielleicht sollte jeder das eine oder andere Mal, wenn er eine Spendendose vom DRK, den Johannitern, der Feuerwehr und vielen anderen sieht, ein bisschen Kleingeld opfern… oder vielleicht auch selber mitmachen!

Informiert Euch im Internet bei den entsprechenden Homepages. Nachwuchs wird immer gebraucht!

Mit maritimen Grüßen

Oliver Mielchen